Kuba 2005

Flug
Der Flug geht von Frankfurt nach Varadero mit LTU. An Bord des Airbus ist die Verpflegung mehr als ausreichend. Wer die deutschen "Premium"-Flieger gewöhnt ist, wird überrascht sein, dass Flüge nicht überbucht sein müssen, dass es eine gute Verpflegung an Bord gibt und dass das Flugpersonal trotz sehr langem Arbeitstag freundlich sein kann. Nur Alkoholika sind kostenpflichtig, was den Verhältnissen im Flugzeug sicher zuträglich ist. Allerdings sind die Preise moderat. Während des Fluges wurde das übliche Videoprogramm präsentiert, besonders angenehm war das Vorhandensein eines Phonokanals zum Entspannen.
In Varadero angekommen, ist erstmal eine ca. 30minütige Wartezeit am Flughafen fällig. Hier präsentiert der kubanische Staat zum ersten Mal, was er vom ehemaligen grossen Bruder gelernt hat. Trotzdem alle Abfertigungsschalter geöffnet sind, zieht sich die Abfertigung der Reisenden hin. Warum das so ist, bleibt dem gewöhnlichen Reisenden leider verborgen. Nachdem das Gepäck in Empfang genommen wurde, geht es zum Ausgang, wo auch schon ein Vertreter von gleich mehreren Reisegesellschaften die Gäste in Empfang nimmt. Und hier wird man denn auch gleich in ein weiteres wichtiges Element des kubanischen Staates eingeweiht; der imperialistische Tourist hat nur die Funktion, ausgenommen zu werden. Der Vertreter der Reisegesellschaft weist einen neben ihm stehenden Kubaner an, die Touristen nebst Koffern zum Transferbus zu geleiten. Dieser ist nach ca. 20m erreicht. Warum man diesen nicht einfach selbst ansteuern konnte, wird einem klar, als der bereits erwähnte Kubaner seinen gesamten deutschen Wortschatz aktiviert: Euro. Nachdem man dieses Wort dann einige Male vernommen hat und erkennen muss, das der Mann einem nicht von der Seite weichen wird, bevor man nicht seinen Obolus entrichtet hat, wechselt ein Euro den Besitzer. War das bei Fidel nicht verboten? Nun ja, davon sollte es dann später noch mehr geben.
Der Transfer vom Flughafen Varadero zum Hotel in Havanna dauert ca. 1,5 Stunden. Da das Hotel Panorama im Osten der Stadt liegt werden erst einige allein- und voll im Saft stehende Herren abgeliefert, die ihre Unterkünfte nahe dem Stadtzentrum gewählt haben.

Hotel Panorama
Die Ankunft im Hotel verläuft reibungslos. Türkarten in Empfang nehmen, die Koffer werden natürlich aufs Zimmer gebracht. Die Zimmer sind sauber und angenehm.
Der einzige Grund, sich für das Hotel Panorama außerhalb des Stadtzentrums zu entscheiden, ist der vorhandene Pool, den jeder Hotelgast kostenlos benutzen darf. Hier gibt es ausreichend Liegestühle und das Wasser ist angenehm sauber.
Das Hotel verfügt in der Eingangshalle über WLAN, welches relativ stabil arbeitet (ganz selten bricht die Funkverbindung ab). Auch in den obersten Stockwerken gibt es Empfang, allerdings ist dort der Empfang sehr instabil.
Man kauft an der Rezeption eine Karte für 8 CUC. Auf dieser ist ein Username und ein Passwort vermerkt. Die Karte berechtigt für eine Stunde, das Internet zu nutzen. Leider gibt es keine Beschreibung oder eine kurze Erklärung, was zu tun ist. Zu normalen Bürozeiten gibt es allerdings einen Mitarbeiter im Hotel, der weiß, wie man den Computer einstellt. Es ist eigentlich ganz einfach: Die WLAN-Verbindung auf DHCP einstellen, Verschlüsselung und alles, was der Sicherheit dient, abschalten. Die erste Webseite, die man aufruft, wird automatisch zu einem Anmeldeserver umgeleitet, auf dem man sich einloggt. Es funktioniert dann sogar POP und SMTP. Beim Einloggen wird ein Popup-Fenster geöffnet, über das man sich dann auch wieder abmelden kann.
Das Hotel ist mit Bars und Restaurants gut ausgestattet. Es gibt im Erdgeschoss 3 Restaurants und 2 Bars, eine weitere Bar findet man im 11. Stock. Die teuerste Wahl dürfte das italienische Restaurant sein (Essen für 2 Personen ca. 30 bis 50 CUC), allerdings erfährt man hier auch den besten Service. Die Sache mit der Bedienung ist immer ein Glücksspiel, das von der mentalen Verfassung des Personals und vom Besucherandrang abhängt. So kann es schon mal vorkommen, dass man auf einen Salat 2 Stunden wartet (mir passiert an der Poolbar). Nachfrage nach einer halben Stunde: Bestellung vergessen, Nachfrage nach einer Stunde: Bestellung vergessen, Nachfrage nach anderthalb Stunden: Man ist auf der Suche nach Hühnerfleisch, Lieferung nach 2 Stunden.
Ein andermal war nach 15 Minuten immer noch keine Karte verfügar. Nachdem ich diese der Bedienung an der Bar aus der Hand genommen hatte, erfolgte in den nächsten anderthalb Stunden keine Annahme der Bestellung. Also dachte ich mir, im Zimmer gibt es doch den Zimmerservice – vielleicht kann man da ja eine Bestellung aufgeben. Menü aus dem Hotelcomputer über das TV-Gerät gewählt und die angegebene Telefonnummer gewählt. Man spricht kein englisch. Nun ja, mein Fehler. Einer 2. Mitarbeiter spricht englisch und verweist mich an eine andere Telefonnummer. Dort angerufen – man spricht kein englisch. Nun ja, mein Fehler. Der nächste englischsprachige Mitarbeiter fragt nach meiner Zimmernummer und beendet daraufhin das Telefongespräch. Anruf an der Rezeption, wie man denn etwas zu essen ins Zimmer bestellen könnte. Das ist kein Problem, ich würde gleich vom Zimmerservice zurückgerufen werden. Man ahnt es schon; es passiert nichts. Innerhalb von 2 Stunden war es nicht möglich, etwas zu essen zu bekommen (selbstverständlich könnte man parallel bei allen Restaurants im Hotel etwas bestellen – wer die entsprechende Börse hat ...). Da mir diese Erfahrungen dann doch etwas zu aufregend waren, schrieb ich eine Beschwerde an den Hotelmanager (in feinstem Oxford-Englisch, dass dieser auch beherrscht). Leider war bis zu meiner Abreise 10 Tage später keine Reaktion seitens des Hotels zu verzeichnen, so dass man wohl davon ausgehen darf, dass die Probleme bekannt und mit kubanischem Personal nicht abzustellen sind. Ich vermute, dass die Maritim-Gruppe (die das Hotel bis Anfang 2005 betrieb) aus diesem Grund das Hotel nach sehr kurzer Zeit wieder ausgegliedert hat, um den eigenen Ruf nicht zu ruinieren. Die 4 angegebenen Sterne sind nach deutschem System jedenfalls ein Scherz. In Deutschland würde man in jedem 2-Sterne-Hotel besser bedient (die Ausstattung entspricht sicher 4 Sternen).
Den Versuch mit dem Zimmerservice wiederholte ich einige Tage später. Ein paar Anrufe bei der im TV angegebenen Nummer, es war nur eine Ansage aud spanisch zu hören. Anruf bei der Rezeption: Man muss eine andere Nummer anrufen. Dort geht aber niemand zum Telefon. Ein weiterer Versuch bei der im TV angegebenen Nummer und es geschehen noch Zeichen und Wunder. Eine englischsprachige Dame nimmt die Bestellung vollständig auf. Nach 45 Minuten ruft eine weitere englischsprachige Dame an, ob wir die Club-Sandwiches auch wirklich haben wollen. Nach insgesamt nur einer Stunde werden die Sandwiches aufs Zimmer geliefert. Das kann man gelten lassen, wenn man berücksichtigt, wo man sich aufhält.
Im Prospekt ist zu lesen, dass das Hotel direkt am Meer liegt. Das ist richtig. Allerdings sollte man hier keinen Strand erwarten. Zwischen Hotel und Meer gab es scheinbar früher eine Strasse, die wegplaniert wurde. Dies betrifft auch die nächsten 2 Hotels. Entsprechend sieht es auf den 50 Metern zwischen Hotelanlage und Meer aus, wie auf einer Baustelle. Ein Baden im Meer ist hier nicht möglich, da man auf dem scharfkantigen Gestein zum Wasser nicht ohne Schuhwerk laufen kann.
Das Frühstück im Hotel ist reichhaltig. Es gibt lediglich das Problem, dass man – je nach Besucherandrang – längere Zeit auf bestimmte Utensilien oder Speisen warten muss, da das Personal der Lage scheinbar nicht Herr wird. Da wartet die kanadische Reisegesellschaft brav in einer Reihe aufgestellt 10 Minuten auf neue Kaffetassen um nach Anlieferung dieser festzustellen, dass der Kaffee alle ist. Den letzten hatte ich mir genommen – ich habe meinen Kaffee dann halt aus einer Müsli-Schale getrunken. In Kuba muss man flexibel sein. Ein großes Problem ist das Brot. Brötchen gibt es nur sporadisch. Baguettes gibt es fast immer, allerdings sehen die jeden Morgen so aus, als hätte extra für die imperialistischen Besucher jemand darauf herumgetrampelt. Man muss also für das Frühstück ein bischen Zeit mitbringen und mit einem Auge immer schauen, ob gerade etwas hingestellt wird, was man noch braucht. Denn für ein Haus mit mehr als 300 Zimmer werden nicht etwa zuviele Tassen hingestellt. Man kann ja erstmal schauen, wie lange 10 Stück reichen. Und bevor sich dann wieder jemand bequemt ...
Um mit den Ausführungen über die Probleme im Hotel nicht den Rahmen zu sprengen, hier nur eine unvollständige Aufzählung: Ausfall der Wasserversorgung über den Tag (Bad fest verschlossen halten oder die Toilette nicht benutzen), hin und wieder kurzzeitiger Ausfall der Stromversorgung, Parties in der Nacht, die das Schlafen unmöglich machen, des öfteren 10minütiges Warten auf einen der Fahrstühle, weil dieser natürlich überlastet ist, wenn die anderen 1 oder 2 ausser Betrieb sind, die Benutzung der Treppen ist nur zur Strasse möglich (Türen sind nur vom Hotelflur zu öffnen), so dass selbst Gäste aus dem 1. Stock den Fahrstuhl benutzen müssen, Gestank auf dem Flur nach Kloake, Gestank während des Frühstückbüffets, als wenn sich jemand unter der Wursttheke entlehrt hätte (nur einmal passiert)

Geld / -umtausch
Die Währung für Touristen ist der CUC (die kubanische konvertible Währung). Allerdings gibt es auch für Kubaner ohne CUCs fast nichts zu kaufen. Angeblich entspricht ein CUC gleich einem US-Dollar. Allerdings ist bei jedem Umtausch von Euro oder Dollar nach CUC eine Umtauschgebühr von mehr als 11% fällig. Wer denkt, er könnte dies umgehen, indem er mit Kreditkarte bezahlt, der täuscht sich. Auch hier werden dann auf den Rechnungsbetrag einfach ca. 11% aufgeschlagen. Man sollte da auch nicht nach einer Begründung fragen. In Kuba steht eine Zahlung nicht unbedingt im Zusammenhang mit einer Leistung. Man sollte sich dann auch nicht wundern, wenn man in Havanna ein kleines Bier mit 6 Dollar oder ein einfaches Sandwich mit 10 Dollar ausgepreist findet. Weiterhin sollte man sich auch nicht wundern, wenn für eine Leistung (z.B. der Besuch eines Freizeitparks) für Kubaner und Ausländer zwei unterschiedliche Preise gelten.
Eine Begebenheit soll hier noch erwähnt werden: Bei dem Versuch nahe des Hotels Panorama auf dem Gelände des gegenüberliegenden Supermercado in einer offiziellen Wechselstube Geld umzutauschen, wurde ich von einem älteren Herren mit lässig in der Hosentasche steckender Pistole freundlich aber bestimmt aufgefordert, mein Geld nicht in der Wechselstube sondern ca. 10m weiter auf der Strasse bei den handelnden Privatleuten umzutauschen. Da ich nicht weiter in Erfahrung bringen wollte, ob sein Schiesseisen echt war, verzichtete ich auf einen Umtausch und wandte mich wie bisher an das Hotel. Für einen Kursvorteil von 2% muss man ja weder sein Leben noch den Umgang mit den kubanischen Staatsorganen riskieren.

Stadtbesichtigung
Das Panorama-Hotel bietet jeden Tag 2 Transfers zum Stadtzentrum und zurück an. Da das Hotel ca. 7 Straßenkilometer vom Stadtzentrum entfernt liegt, ist das ein Service, den man gern nutzt. Eine Taxifahrt kostet ca. 10 CUC, Diskussionen mit dem Taxifahrer wegen angeblich nicht funktionierender Taxameter inklusive. Allerdings sollte man mit dem Busfahrer immer reden, wo er beim Rücktransfer wirklich anhält. Wir erlebten, dass lediglich ein Punkt im Stadtzentrum angefahren wurde. Wartet man an einer anderen im Hotel ausgeschriebenen Haltestelle, dann hat man schlicht Pech. Weiterhin, sollte man schon einige Minuten vor der Abfahrtszeit auf den Bus warten, denn dieser fährt regelmäßig einige Minuten früher ab, als es der Fahrplan vorsieht. Sollte man planen, einen Stattbummel zu machen, so ist unbedingt zu empfehlen, sich mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „No cigars! - No Taxi!“ vorn und hinten zu kleiden, da die Stadtbesichtigung sonst zu einem Spiessrutenlauf wird. Auf die vielen Anreden „Good morning, Sir!“ sollte man ebenfalls nicht reagieren – sie stellen lediglich den Anfang eines Verkaufsgesprächs dar. Die Stadtbesichtigung insgesamt macht keinen Spass, weil die Verkaufsofferten einfach zu massiv sind. Gerade wenn man sich in einer geführten Gruppe befindet und auf Mitreisende warten muss, ist man ein leichtes Opfer der Verkäuferplage.
Sobald man das touristische Zentrum Havannas verlässt, kommt man in Stadtviertel, wo der Dreck und die Abfälle auf der Strasse liegen und einen ekelhaften Gestank verursachen. Im „Canal de Entrada“ (oder auf dem Meer) scheint es einen Tankerunfall gegeben zu haben, so dass dieser ölverseucht ist und entsprechend riecht. In Westeuropa würde man vermutlich den Notstand ausrufen, wenn das Öl am Ufer klebt und schwappt, hier werden inmitten des Ölgestanks Snackbars und Restaurants betrieben.
Zu empfehlen sind für eine Stadtbesichtigung das „Museo de la Ciudad“ am „Plaza de Armas“ und das „Capitolio Nacional“.

Cayo Largo
Cayo Largo ist eine Insel südlich von Kuba, ca. 200km von Havanna entfernt. Ein Tagesausflug hierher dürfte wohl DAS Highlight sein. Für ca. 140 CUC fliegt man morgens auf die Insel und abends wieder zurück. Die geführte Tour vom staatlichen Reisbüro umfasst den Flug, den Besuch einer Leguan-Insel, Baden auf einer Sandbank, Schnorcheln, ein Mittagessen und nachmittags Sonnen am Strand.
Allein der Flug dürfte für die meisten ein Erlebnis sein. Geflogen wird mit einer Antonow 26, die scheinbar in ihrem früheren Leben mal eine Transportmaschine war. Besonders fällt auf, wie man mit einfachsten Mitteln die Kabine klimatisieren kann. Der Rauch auf dem Foto ist lediglich Wasserdampf, der beim Belüften des Flugzeugs in den Innenraum eintritt.
Nach der Ankunft in Cayo Largo geht es mit dem Bus zum Yachthafen, wo die Reisegruppe an Bord geht. Dann geht es langsam zur Leguan-Insel. Dort kann man Leguane bewundern und – wer will – auch steicheln. Einige Tiere sind sehr zutraulich.
Danach geht es zu einer Sandbank, wo die Yacht im Sand „geparkt“ wird. Für die nächsten 2 Stunden ist ausgiebiges Baden und Erkunden an und auf der Sandbank angesagt. An Bord können sehr frische Langusten verzehrt werden. Dafür sind 10 CUC direkt beim Käpt'n fällig. Aber auch die sind gut angelegt, denn sie schmecken einfach fantastisch und zum Mittagessen kommen wir noch.
Nach dem Baden geht es weiter. Zuerst holt die Mannschaft noch die Langusten für den nächsten Tag aus dem Wasser, danach ist Schnorcheln angesagt. Dabei kann man die Unterwasserwelt bewundern.
Das Schnorcheln bildet den Abschluss der Fahrt mit der Yacht. Es folgt das Mittagessen. Um es kurz zu machen: Es ist ungenießbar. Lediglich an der Salatbar findet man etwas, was den Hunger stillen könnte. Wer sich vorher an Bord eine Languste genehmigte, war klar im Vorteil.

Fazit
Die Zeiten, in denen man noch das alte sozialistische Kuba kennenlernen konnte sind definitiv vorbei. Heute hat der alte Mann erkannt, dass man die Imperialisten durchaus ins Land locken und dort abzocken kann. Ich denke, dass es besser ist, den Tod des alten Mannes abzuwarten. Vermutlich werden sich die Verhältnisse danach innerhalb weniger Jahre normalisieren und man kann ein wunderschönes Land genießen, ohne unablässig das Gefühl zu haben, ausgenommen und gegängelt zu werden.
Für den, der unbedingt schon heute Kuba kennenlernen will, ist es sicher eine Alternative, seinen Urlaub „All-Inklusive“ in der Touristenbraterei Varadero zu verbringen und nur für kurze Ausflüge das Camp zu verlassen. Ein Tip ist auch Cayo Largo.